Die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Slowakei basieren auf starken historischen und menschlichen Bindungen

In einem Interview bewertete Peter Nelson, der Botschafter in der Slowakei, die schweizerisch-slowakischen Beziehungen als sehr gut. Er Schweizer Investitionen in der Slowakei, insbesondere in den Bereichen Industrie, IT, moderne Mobilität und Shared Service Center., Qualifizierte Arbeitskräfte, Rechtssicherheit, Transparenz und Stabilität hält er für wichtige Faktoren für die Anziehung weiterer Investitionen. Im Interview ging er auch auf kulturelle Unterschiede und Besonderheiten sowie persönliche Erfahrungen mit der slowakischen Gastronomie und Traditionen ein.

  • Wie beurteilen Sie den aktuellen Stand der schweizerisch-slowakischen Beziehungen?

Die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und der Slowakei sind sehr gut. Sie basieren auf starken historischen und menschlichen Beziehungen. Auch die Wirtschaftsbeziehungen sind gut und stabil. Das Handelsvolumen wächst stetig und beträgt heute etwas mehr als 2.1 Milliarden Euro pro Jahr, was aber bestimmt noch ausbaufähig ist. Die Slowakei erwirtschaftet dabei traditionellerweise einen Überschuss.

  • In welchen Bereichen sehen Sie das größte Potenzial für eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der Slowakei?

Wie die vor kurzem erfolgte Eröffnung eines neuen, hochmodernen Werks der Firma Hoval in Istebné zeigt, sind schweizerische und liechtensteinische Firmen bereit, weiter in ihre Standorte in der Slowakei zu investieren. Solche Investitionen können helfen, den Industriestandort Slowakei zu diversifizieren und, so hoffe ich, neben der Fertigung zunehmend auch die Forschung und Innnovation zu fördern.

Neben der industriellen Produktion sehe ich im IT-Bereich Potential, wo die Slowakei über exzellente Fachkräfte verfügt. Bei Smart Cities und modernen Formen der Mobilität gibt es Möglichkeiten, wie etwa die Zusammenarbeit von FAIRTIQ – einer mobilen «Pay as you go»-Anwendung im öffentlichen Verkehr, die ich in der Schweiz regelmässig nutze – mit den slowakischen Staatsbahnen ZSSK zeigt.

Auch als Standort für konzerninterne Dienstleistungen – sogenannte Shared Service Centers – bleibt die Slowakei attraktiv.

  • Welche konkreten Projekte im Rahmen der schweizerisch-slowakischen Zusammenarbeit halten Sie für die erfolgreichsten?

In der privatwirtschaftlichen Zusammenarbeit gibt es viele erfolgreiche Projekte, es steht mir aber nicht zu, darüber ein Urteil abzugeben. Persönlich imponiert hat mein kürzlicher Besuch bei der Firma Ringier Slovakia, die einen wichtigen Beitrag leistet für die Medienvielfalt im Land.

Ich möchte hier vor allem die gute Zusammenarbeit erwähnen, die die Schweiz mit den slowakischen Behörden im Rahmen des sogenannten Zweiten Schweizer Beitrags hat. Unter dem Titel «Swiss-Slovak Cooperation Programme / Program švajčiarsko-slovenskej spolupráce» arbeiten wir in den Bereichen Berufsbildung, nachhaltiger Tourismus und Biodiversität sowie Gesundheitsförderung zusammen.

  • Was könnte die Slowakei tun, um Schweizer Investitionen anzuziehen?

Der Schlüssel dazu sind attraktive Rahmenbedingungen. Dazu gehören neben Kostenfaktoren wie Löhne und Steuern auch die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte sowie wie Rechtssicherheit, Transparenz und Berechenbarkeit.

  • Was ist Ihrer Meinung nach der größte Unterschied zwischen dem Alltag in der Schweiz und dem in der Slowakei?

Ich finde, dass Schweizer und Slowaken sich vom Temperament her recht ähnlich sind. Ich fühle mich im Alltag hier sehr wohl. Unterschiede sehe ich allenfalls beim Verhältnis zur Obrigkeit und zum Zeithorizont: Schweizer lieben es, alles bis ins Detail zu planen, während ich in der Slowakei das Gefühl habe, dass man manchmal mehr improvisiert.

  • Welche slowakische Tradition oder welches slowakische Gericht haben Sie während Ihres Aufenthalts in der Slowakei am liebsten kennengelernt?

Die Kapurková habe ich hier kennengelernt (lacht)! Natürlich habe ich auch die slowakische Küche probiert und mag Brimsennocken / bryndzové halušky und Krautsuppe / kapustnica sehr. Eine echte Entdeckung war für mich Hriatô, der Speckschnaps, den es in gewissen Gegenden zu Weihnachten gibt. Ein unvergessliches Erlebnis war es für mich, als ich letzten Herbst in Gemer an einer Metzgete (Schlachtfest / zabíjačka) teilnehmen durfte. 

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