Die Schlüsselaufgabe der Kammer besteht darin, die Beziehungen zwischen slowakischen und schweizerischen Akteuren im Bereich Handel, Bildung und Kultur zu fördern.

Laut Matej Kolarovský, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Schule Bratislava, sind in diesem Jahr die größten Herausforderungen der Schule, gute Lehrkräfte zu halten und Finanzmittel zu sichern. Welche sind die Hauptprioritäten der Schule, worin liegt das einzigartige pädagogische Konzept, und was klare Slowa­ken von den Schweizern lernen können, hat er im Gespräch verraten.


Was sind die Hauptprioritäten der Deutschen Schule Bratislava in diesem Jahr?

Unsere anhaltende Priorität ist die Qualifizierung des Bildungsprozesses. Wir vertreten die Auffassung, daß die Schule Kinder auf das reale Leben, die Anforderungen der Arbeitswelt und das Studium an ausländischen Hochschulen vorbereiten sollte, an denen der Großteil unserer Absolventinnen und Absolventen endet. Gleichzeitig ist es uns wichtig, das Gelernte praktisch anzuwenden. Vor allem in der heutigen Zeit, in der sich die Welt durch digitale Technologien und Künstliche Intelligenz unglaublich schnell verändert.
Wir entwickeln auch das Umfeld weiter, in dem Kinder sich bewegen. In diesem Jahr wird an der Deutschen Schule eine Sommerklasse eingerichtet, die es den Schülerinnen und Schülern im Unterricht ermöglicht, Kontakt mit Natur und frischer Luft zu haben. Für Kindergartenkinder planen wir eine externe interaktive Wand. Zudem ist ein Projekt zur Verbesserung der Akustik in den Klassen vorgesehen.

 

Worin besteht das pädagogische Konzept Ihrer Schule als einzigartig?

Unsere Schülerinnen und Schüler lernen von der Vorschule bis zum Gymnasium in deutscher Sprache. Wir sehen darin den größten Vorteil, vor dem Hintergrund der geografischen Lage die Chance zu nutzen, sich entweder weiterzubilden oder auf dem nahegelegenen deutschsprachigen Markt eine Anstellung zu finden.
Gleichzeitig hat die Schule ein integriertes Konzept zur Konfliktlösung und offenen Kommunikation. Wir legen Wert auf Medienstudien und selbstverständlich auf digitale Bildung. Unsere Schule arbeitet mit einem Bildungsansatz namens MINT, der sich auf Stärkung der Fächer Mathematik, Informatik, Technik und Naturwissenschaften konzentriert. In der Praxis bedeutet das mehr projektorientiertes und experimentelles Lernen, die Vernetzung dieser Fächer, Arbeit mit Technologien, aber auch Entwicklung logischen Denkens, Kreativität und Teamarbeit.

Was sind die größten Herausforderungen, denen sich die Schule in diesem Jahr in der Slowakei gegenübersieht?

Wie in anderen Branchen auch ist es unsere Herausforderung, gute Lehrkräfte zu gewinnen und zu halten – Personalressourcen. Unsere Situation ist etwas komplizierter, da es sich um native Deutsch sprechende Lehrkräfte handeln muss. Daher müssen wir Wege finden, solche Menschen nach Slowakei zu holen; mit anderen Worten, sie umzuziehen.


Die zweite Herausforderung sind die Finanzen. Diese stammen aus der Schulgebühr, da wir eine Privatschule sind, aus Zuschüssen, Spenden von verschiedenen Unternehmen, aber auch von Eltern. Da wir in ein Netz slowakischer Bildungseinrichtungen aufgenommen sind, werden wir auch vom Staat durch eine Normierung pro Schülerin oder Schüler finanziert. Natürlich hängt der Erfolg unserer Schule davon ab, wie gut es der slowakischen Bevölkerung geht. Bis zu 80% unserer Schülerinnen und Schüler stammen aus slowakischen Familien. Konsolidierung und die aktuelle wirtschaftliche Lage begünstigen Privatschulen nicht. Alle erwirtschafteten Mittel verwenden wir für den Schulbetrieb und für die weitere Entwicklung der Schule.


Was ist Ihrer Ansicht nach aus Sicht eines Kammermitglieds die wichtigste Aufgabe der Schweiz-Slowakei Handelskammer?


Ich denke, eine wichtige Aufgabe besteht darin, die Beziehungen zwischen schweizerischen und slowakischen Akteuren zu entwickeln – nicht nur im Handel, sondern auch in Bildung, Kultur und der gegenseitigen Vernetzung sowie dem Finden von Inspiration. Zum Beispiel würden wir uns in der Slowakei mehr kulturelle Veranstaltungen für Kinderpublikum in deutscher Sprache wünschen.
Ich freue mich persönlich auf Networking-Möglichkeiten in der breiten Community, die die Schweizerische Handelskammer abdeckt.


Beziehen Sie die Schweizern Inspirationen? Falls ja, in welchen Bereichen?

Wenn ich es subjektiv betrachte, ja: Es ist ein Land, in dem Dinge gut funktionieren. Eine aktive, dezentralisierte öffentliche Verwaltung sorgt für hohen Komfort der Bürgerinnen und Bürger.
Was die Bildung betrifft, sind die Schweizer stark im dualen Ausbildungssystem. Die meisten Kinder wechseln nach der Grundschule in eine berufliche Ausbildung und nutzen eine Verbindung aus Theorie und Praxis in echten Unternehmen. Genau das müssen wir in der Slowakei weiterentwickeln. Meiner Meinung nach wird auch stärker auf Berufsberatung Wert gelegt. Talente und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler werden bereits während ihrer Grundschulzeit identifiziert, was den Kindern hilft, sich selbst zu erkennen, bevor sie entscheiden, an welcher Schule sie ihre Ausbildung fortsetzen.


Und umgekehrt – worin könnten wir Slowaken die Schweizer inspirieren?

Zu viel Ordnung und festgelegte Regeln, die die Schweizer haben, sind ein großer Vorteil, können aber auch hinderlich sein. Wir können uns sehr schnell anpassen und auch ohne perfektes System Lösungen finden. Wir können auch unter weniger idealen Bedingungen funktionieren. Ich sehe es so, dass gerade die Tatsache, dass Dinge in der Slowakei nicht immer perfekt funktionieren, uns kreativer macht.

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